kein ort aber krähengelächter
frizz&phryds&company: bilder. romie lie: gedichte

Buchgestaltung und Typographie: Gerhard S. Schürch, Chabrey, 48 S., Fr. 35.-


Die schwarzen Gesellen

Beatrice Eichmann-Leutenegger
Rezension im Bund vom 18. März 15

Wir sehen sie jeden Tag: die allgegenwärtigen Krähen, die zur Familie der Raben (Corviden) zählen. Kaum ein anderer Vogel hat so häufig in Märchen, Mythen und Legenden Eingang gefunden, gelten doch die Rabenvögel als überaus klug und eigenwillig. Seit dreissig Jahren begibt sich der 1950 in Bern geborene Fritz Mühlemann, ausgebildet als Psychologe, immer wieder auf ihre Spur. Inzwischen hat er eine wahre Passion für die schwarzen Gesellen entwickelt. In seiner autodidaktisch geprägten Tätigkeit als Fotograf lässt er sich von der Malerei inspirieren und ebenso von der Philosophie und Poesie. Ein glücklicher Zufall fügte es, dass er mit der Berner Lyrikerin Romie Lie (*1954 in Langnau) zusammentraf und mit ihr ein gemeinsames Projekt entwarf. Sie hatte ihm, gleichfalls begeistert von den Krähen, einen Gedichtzyklus vorgelegt, der die Welt dieser Vögel beschwor.

Nun liegt das Resultat des Doppelunternehmens in Buchform vor. Der Grafiker und Kunstdrucker Gerhard S. Schürch, welcher mehrfach für sein Schaffen ausgezeichnet worden ist, hat einen exquisiten kleinen Band geschaffen. Text und Bild münden auf überraschende Art in einen Dialog. In knappster Form hält Romie Lie die vorüberziehenden Vogelschwärme momentlang fest: „im spätlicht ein notenzug // windgetanzte krähenfugen / treiben träume / in den himmelssee // zu entziffern nur / bei offener herztür“. Dieser Flüchtigkeit entsprechen die flirrenden Impressionen von Fritz Mühlemanns künstlerisch bearbeiteten Fotos. Manchmal erinnern sie von fern an Bilder der Impressionisten oder an Aquarelle eines August Macke oder Paul Klee. Aber es sind eigenständige Kreationen, welche den ursprünglichen Seheindruck variieren und vor allem verfremden, bis von der fotografischen Aufnahme kaum mehr etwas übrig bleibt. Dem lesenden Betrachter winkt ein Seh- und Textvergnügen.

kein ort aber krähengelächter
frizz&phryds&company: bilder. romie lie: gedichte

Buchgestaltung und Typographie: Gerhard S. Schürch, Chabrey, 48 S., Fr. 35.-


Die schwarzen Gesellen

Beatrice Eichmann-Leutenegger
Rezension im Bund vom 18. März 15

Wir sehen sie jeden Tag: die allgegenwärtigen Krähen, die zur Familie der Raben (Corviden) zählen. Kaum ein anderer Vogel hat so häufig in Märchen, Mythen und Legenden Eingang gefunden, gelten doch die Rabenvögel als überaus klug und eigenwillig. Seit dreissig Jahren begibt sich der 1950 in Bern geborene Fritz Mühlemann, ausgebildet als Psychologe, immer wieder auf ihre Spur. Inzwischen hat er eine wahre Passion für die schwarzen Gesellen entwickelt. In seiner autodidaktisch geprägten Tätigkeit als Fotograf lässt er sich von der Malerei inspirieren und ebenso von der Philosophie und Poesie. Ein glücklicher Zufall fügte es, dass er mit der Berner Lyrikerin Romie Lie (*1954 in Langnau) zusammentraf und mit ihr ein gemeinsames Projekt entwarf. Sie hatte ihm, gleichfalls begeistert von den Krähen, einen Gedichtzyklus vorgelegt, der die Welt dieser Vögel beschwor.

Nun liegt das Resultat des Doppelunternehmens in Buchform vor. Der Grafiker und Kunstdrucker Gerhard S. Schürch, welcher mehrfach für sein Schaffen ausgezeichnet worden ist, hat einen exquisiten kleinen Band geschaffen. Text und Bild münden auf überraschende Art in einen Dialog. In knappster Form hält Romie Lie die vorüberziehenden Vogelschwärme momentlang fest: „im spätlicht ein notenzug // windgetanzte krähenfugen / treiben träume / in den himmelssee // zu entziffern nur / bei offener herztür“. Dieser Flüchtigkeit entsprechen die flirrenden Impressionen von Fritz Mühlemanns künstlerisch bearbeiteten Fotos. Manchmal erinnern sie von fern an Bilder der Impressionisten oder an Aquarelle eines August Macke oder Paul Klee. Aber es sind eigenständige Kreationen, welche den ursprünglichen Seheindruck variieren und vor allem verfremden, bis von der fotografischen Aufnahme kaum mehr etwas übrig bleibt. Dem lesenden Betrachter winkt ein Seh- und Textvergnügen.